Beschneidung: nicht nur eine medizinische NotwendigkeitSeit Gründung der Organisation "Euro Circ" (ehemals Info Circ) im Jahre 1995 ließen sich durch uns weit über 2000 Männer betreut beschneiden. Alle Interessenten gaben uns Auskunft über die Gründe, die sie zu dem Entschluß führten, sich beschneiden zu lassen. Nachfolgend haben wir alle Angaben zusammengetragen und veröffentlichen hier erstmals eine aktuelle Auswertung.
Gründe für die Durchführung einer BeschneidungAnhand der Zahlen stellen wir fest, daß die Gründe für eine Beschneidung tendenziell einer Verschiebung unterliegen. Hatten 1996 rund 48,3 % aller Interessenten eine Beschneidung aus eigener Entscheidung in Erwägung gezogen, so stieg bis zum Jahr 2001 diese Anzahl um 2,3 Prozentpunkte auf insgesamt 50,6 %. Das entspricht etwa einem jährlichen Zuwachs von siebzig Männern. Demgegenüber steht die Aussage, daß die Notwendigkeit für eine Beschneidung aus medizinischen Indikationen (z. B. Phimose, Frenulum breve, ...) bei unseren Interessenten scheinbar rückläufig ist. Von 1996 an (38,8 % aller Interessenten mit einer medizinischen Indikation) stieg bis 1999 die Rate auf 39,7 % (+0,9 Prozentpunkte). Im folgenden Jahr 2000 sank der Anteil bereits auf 38,4 % und erreichte 2001 seinen bisherigen Tiefststand von 36,9 % (- 2,8 Prozentpunkte). Bei einer Beschneidung aus religiösen Gründen (z. B. bei ausländischen Männern) ist eine gleich bleibende Rate erkennbar. Durchschnittlich ließen sich 3,6 % aller von uns vermittelten Interessenten aus o. g. Gründen beschneiden. Die prozentuale Differenz betrug nie mehr als (+/-) 0,2 Prozentpunkte. Bei der Anzahl der im Kindesalter Beschnittenen und im heranwachsenden bzw. Erwachsenenalter notwendigen oder gewünschten Nachbeschneidungen lag von 1996 bis 2001 die Durchführungsrate bei 8,0 %. Diese variierte tendenziell maximal um (+/-) 0,3 Prozentpunkte.
Altersstruktur der InteressentenGleichzeitig haben wir eine eindeutige Neigung zum Verzicht auf die Vorhaut innerhalb bestimmter Altersstrukturen verzeichnet. Die Annahme, daß innerhalb der anderen Altersklassen die Entscheidungsfindung bzw. Notwendigkeit nicht vorhanden ist, ist zweifelhaft. Das Durchschnittsalter der von uns erfolgreich zu einer Beschneidung verholfenen Männer liegt bei 35 Jahren. In der Altersklasse der 25 bis 34 Jährigen ist eine Präsenz von immerhin 36,0 Prozent zu vermerken. Dies umfaßt mehr als ein Drittel aller Beschnittenen. 23,2 Prozent aller Beschnittenen sind zwischen 35 und 54 Jahre alt. Erst in der Altersklasse ab dem 55. Lebensjahr nimmt der Anteil stetig ab und tendiert zwischen dem 65. und 74. Lebensjahr schließlich gegen 1,1Prozent.
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Regionale Gliederung
Genau wie in der Altersstruktur, ist auch in der regionalen Gliederung eine eindeutige Richtung erkennbar. So lassen sich bei der Beschneidungshäufigkeit folgende Durchschnittzahlen erkennen: Mit einem d u r c h s c h n i t t l i c h e n Anteil von 36,3 Prozent kommen von 1996 bis 2001 mehr als ein Drittel aller Beschneidungswilligen aus Nordrhein-Westfalen. Diese werden gefolgt von Männern aus dem Bundesland Bayern mit einem Mittel von 11,0 Prozent, wobei sich innerhalb von fünf Jahren der prozentuale Anteil um 3,1 Prozentpunkte auf 11,9 Prozent erhöht hat. Mit lediglich 0,5 Prozentpunkte Minusdifferenz wird Bayern von Hessen gefolgt. Dem gegenüber hat Hessen von 2000 bis 2001 einen Punktplatz verloren und liegt auf Platz 4. Die Bundesländer Niedersachsen, Baden-Württemberg und Berlin zusammen mit Brandenburg liegen von 1996 bis 2001 durchschnittlich zwischen sieben und neun Prozent. Gefolgt werden diese Bundesländer mit einem Abstand von -3,5 Prozentpunkten von Schleswig-Holstein. Die Bundesländer Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Sachsen haben im Durchschnitt einen Anteil zwischen 2,7 und 1,7 Prozent. Schlußlicht sind mit einem Anteil von weniger als einem Prozent die Bundesländer Saarland, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.
Markus-Oliver Bauer ©, Mitarbeiter von EURO CIRC und Statistiker beim Statistischen LandesamtBerlin Herausgeber: EURO CIRC, Postfach 10 04 05, 46524 Dinslaken |